Drama - Opfer, Täter, Retter Rollen

„Wir müssen reden.“ So durchbrichst du destruktive Muster in Konflikten

Eine Szene aus dem Leben einer ganz normalen Partnerschaft: Chris und Emma haben ein paar Dinge zu klären. Chris sagte, er würde die Fahrräder flott machen, damit sie eine schöne Radtour am Wochenende machen können. Aber die Räder stehen noch immer in der Garage mit einem Platten und die Bremsen sind auch nicht mehr die Besten.

Vor ein paar Wochen hatte Emma eine schlimme Erkältung. Weil sie die Nacht so unruhig war, ist Chris ins Gästezimmer gezogen. Inzwischen geht es Emma wieder gut aber sie schlafen immer noch getrennt.

Also nichts Großes. Ein Gespräch zwischen Erwachsenen sollte das klären. „Wir müssen reden.“

Der Stoff aus dem die Dramen sind

Wenn es tatsächlich ein Erwachsenengespräch wird, ist die Sache schnell geklärt. Die Fakten liegen am Tisch, Entscheidungen werden getroffen, Aufgaben verteilt und erledigt.

Wie geht die Geschichte weiter? Emma schildert ganz in Ruhe, was sie stört, doch Chris fasst es als Angriff auf. „OK. Sonst noch etwas, das du mir vorhalten willst?“, schnappt Chris zurück. „Du meine Güte, du bist so ein Kontroll-Freak!“ Emma ist total irritiert. Noch bevor sie ragieren kann, macht sich Chris aus dem Staub. Emma fühlt sich schlecht, die Tränen stehen ihr in den Augen. Es beschleicht sie ein Gefühl, das sie aus ihrer Kindheit kennt. Alles ist ihre Schuld!

Nächsten Morgen ist Chris schon früh auf den Beinen. Er ruft Emma zu, dass er Frühstück gemacht habe und die Räder sind auch repariert! Emma sieht die Räder – sie könnte einfach nur Danke sagen aber da fliegen die Worte schon unwillkürlich aus ihr raus: „Ich will mit diesen blöden Rädern überhaupt nicht mehr fahren!“ Bumm – Drama!

Das Drama Dreieck: Opfer, Täter, Retter

Stephen Karpman hat das Drama-Dreieck eintwickelt, ein Modell aus der Transaktionsanalyse. Es beschreibt typische Rollen in zwischenmenschlichen Konflikten: Opfer, Täter und Retter. Diese Rollen können dynamisch wechseln und führen oft zu destruktiven Kommunikationsmustern.

Die drei Rollen im Überblick:

OPFER

Fühlt sich hilflos und sucht nach Unterstützung. Durch das Einnehmen dieser Rolle erhält es Aufmerksamkeit und vermeidet Eigenverantwortung.

TÄTER

(Verfolger)
Übt Kritik aus, macht Vorwürfe und setzt andere herab. Durch dieses Verhalten fühlt er sich überlegen und kontrolliert die Situation.

RETTER

Bietet ungefragt Hilfe an, oft um sich selbst wertvoll zu fühlen. Durch das Helfen ohne Aufforderung hält er andere in der Abhängigkeit und vermeidet, sich mit eigenen Problemen auseinander zu setzen.

Diese Rollen sind nicht starr – die Beteiligten können zwischen ihnen wechseln. Ein Retter kann zum Beispiel zum Täter werden, wenn seine Hilfe nicht angenommen wird, das Opfer kann zum Täter werden, wenn es den Retter für sein Scheitern verantwortlich macht.

Was ist in unserer Geschichte passiert? Chris fühlt sich zuerst angegriffen und damit als OPFER. Dann schwenkt um, verliert die Fassung und wird zum TÄTER. Nächste Morgen startet er einen neuen Versuch. Er repariert die Räder und macht Frühstück und wechselt damit in die RETTER-Rolle. Emma, die gestern noch ganz irritiert war, nimmt den Rettungsversuch nicht an und wird ihrerseits zum TÄTER. Das Drama nimmt Fahrt auf…

Wege aus dem Drama-Dreieck

Ausstieg aus dem Drama Dreieck

Das Drama-Dreieck hilft dabei, destruktive Kommunikationsmuster zu erkennen und zu verstehen. Indem wir die eingenommenen Rollen identifizieren, können wir auch einen Weg finden, aus diesen Mustern auszubrechen und einen gesünderen Umgang miteinander finden.

  • Bewusstwerdung: Der erste Schritt besteht darin, sich der eigenen Rolle im Drama-Dreieck bewusst zu werden. Welche Positionen nehme ich häufig ein?
  • Verantwortung übernehmen: Anstatt in der Opferrolle zu verharren, könntest du Verantwortung für die eigenen Handlungen und Gefühle übernehmen.
  • Grenzen setzen: Als Retter sollest du lernen, nur dann Hilfe anzubieten, wenn du darum gebeten wirst und Täter sollten ihre Kritik in konstruktives Feedback umwandeln.
  • Rollen wechseln: Anstelle des Retters kannst du die Rolle des UNTERSTÜTZERS einnehmen, der anderen hilft, ihre eigenen Lösungen zu finden, ohne sie abhängig zu machen. Anstelle der Täter-Rolle, könntest du deine Energie für die Bedürfnisse des anderen einsetzen und zum MENTOR werden. Als Opfer ist es hilfreich, seine Gefühle zu hinterfragen uns Verantwortung dafür zu übernehmen. Mit deinen Ideen wirst du vielleicht zur MUSE für andere.

Um aus diesen Mustern auszubrechen, könnten die Beteiligten aus unserer Geschichte versuchen, die Kommunikation zu ändern:

Chris könnte sagen: „Ich habe momentan auch andere Dinge um die ich mich kümmern muss. Das überfordert mich. Gibt mir noch etwas Zeit.“ Damit schafft er Verständnis für seine Situation.

Emma könnte einfühlsam reagieren: „Ja, klar. Es tut mir leid, ich wollte dich nicht drängen. Ich könnte die Räder auch zur Werkstatt bringen, was meinst du?“

Durch solche offenen und respektvollen Gespräche können die Beteiligten aus dem Drama-Dreieck aussteigen und zu einem harmonischen Miteinander finden.

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Dieses Video beschreibt die Rollen des Drama-Dreiecks und hilft dir, Konflikte besser zu verstehen.

Du kannst dich so annehmen, wie du bist UND gleichzeitig an dir arbeiten.

Wenn du in deinem Privatleben oder im beruflichen Umfeld imme r wieder mit solchen Situationen zu tun hast und Unterstützung sucht, bin ich gerne für dich da.

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