Immer wieder sagen mir Menschen, sie funktionieren – gut. Aber trotz aller Bemühungen, werden sie das Gefühl nicht los, wirklich da zu sein – nicht wirklich zu leben.
Dieses Gefühl hat einen Namen – und es hat eine Ursache. Und – das ist die gute Nachricht – es hat auch eine Antwort. Grounding.
Das Element Erde – ein Bild für inneren Halt
In der Serie „Ankommen“ begleitet uns ein Baum als roter Faden. Jedes Element vervollständigt ihn – und jedes steht für eine Dimension des Menschseins.
Erde steht für die Wurzeln – unsichtbar, aber tragend. Ein Baum kann sich im Wind bewegen, Äste können brechen, aber wenn die Wurzeln halten, fällt er nicht.
Grounding ist der Weg, diese Wurzeln bewusst zu spüren. Nicht zu erschaffen – sie sind schon da, sondern wahrzunehmen, dass sie tragen.
Was ist Grounding – und woher kommt es?
Grounding, auf Deutsch auch Erdung genannt, bezeichnet Techniken, die darauf abzielen, die Aufmerksamkeit zurück in den gegenwärtigen Moment und in den Körper zu lenken. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Traumatherapie, wird heute aber weit darüber hinaus eingesetzt: in der Stressbewältigung, in der Behandlung von Angststörungen und im achtsamkeitsbasierten Coaching.
Pionierin auf dem Gebiet war die amerikanische Psychiaterin Judith Herman, die in ihrem Standardwerk „Trauma and Recovery“ (1992) Grounding als zentrale Stabilisierungstechnik beschrieb. Später wurde das Konzept von Peter Levine (Somatic Experience) und Pat Ogden (Sensorimotor Psychotherapy) weiterentwickelt – beide betonen die zentrale Rolle des Körpers bei der Verarbeitung von Stress und Trauma.
TIPP: Eine empfehlenswerte Seite zur Vertiefung in das Thema Trauma.
Was passiert im Nervensystem?
Um zu verstehen, warum Grounding wirkt, lohnt ein kurzer Blick ins Nervensystem. Bei anhaltendem Stress oder unverarbeiteten Belastungen bleibt das autonome Nervensystem in einem Zustand erhöhter Alarmbereitschaft – dem sogenannten sympathischen Aktivierungsmodus. Der Körper reagiert, als wäre Gefahr im Verzug: die Herzrate steigt, Muskeln spannen sich an die Wahrnehmung verengt sich.
Grounding aktiviert gezielt den Gegenspieler: den Parasympathikus – also den Teil des Nervensystems, der für Ruhe, Regeneration und Sicherheit zuständig ist. Studien der Achtsamkeitsforschung, u.a. von Jon Kabat-Zinn (MBSR) und dem Forscherteam um Richard Davidson an der Universität Wisconsin, zeigen, dass bereits wenige Minuten körperbezogene Achtsamkeit nachweislich die Cortisol-Ausschüttung senken und die Aktivität des präfontalen Kortex erhöhen – also jenes Hirnbereichs, der für Regulation, Urteilsvermögen und das Gefühl von Sicherheit zuständig ist.
Für wen ist Grounding besonders relevant?
In meiner Praxis setze ich Grounding vor allem in folgenden Situationen ein:
Bei Menschen mit Bindungsthemen, hinterlassen frühkindliche Erfahrungen von Unsicherheit oder Vernachlässigung Spuren im Nervensystem. Betroffene erleben häufig Dissoziationen – das Gefühl, nicht wirklich im eigenen Körper oder in der Gegenwart zu sein. Grounding schafft hier buchstäblich ersten Boden.
Bei dauerhaftem Stress lebt man im Funktionsmodus und verliert zunehmend den Zugang zur eigenen Körperwahrnehmung. Grounding ist oft der erste Schritt zurück – zu sich selbst.
Angst entsteht häufig durch antizipatorisches Denken – wir gehen davon aus, nehmen an, befürchten, dass etwas passieren könnte. Die Gedanken sind dabei in der Zukunft. Der Körper ist immer in der Gegenwart. Grounding nutzt genau diesen Unterschied aus.
Was Grounding nicht ist
Grounding ist keine Entspannungstechnik im klassischen Sinne – und auch keine Methode, Gefühle zu verdrängen. Es geht nicht darum, sich gut zu fühlen. Es geht darum, präsent zu sein.
In der Praxis zeigt sich, dass Menschen, die zum ersten Mal Grounding mitmachen, oft Überraschungen erleben. Nicht weil es dramatisch ist, sondern weil es so einfach ist. Und weil sie merken, wie weit weg sie von sich selbst waren.
Grounding ersetzt keine Psychotherapie bei schweren Traumata oder klinischen Störungsbildern. Es ist ein Einstieg, ein Stabilisierungswerkzeug und ein erster Schritt zurück zu dir.
Probiere es aus – jetzt gleich
In meinem Video führe ich dich durch eine ca. 10-minütige Grounding-Meditation, die auf somatischen Wahrnehmungsübungen basiert.
Kein Vorwissen notwendig.
Wenn du tiefer gehen möchtest
Grounding ist ein kraftvoller erster Schritt. Manchmal zeigt sich dabei, dass da mehr ist – Muster, Glaubenssätze oder Erfahrungen, die einen geschützten Rahmen brauchen.
Wenn du das Gefühl hast, dass dein Thema tiefer geht als eine Übung zur Selbsthilfe erreichen kann, bin ich da. In meiner Beratung arbeite ich von Mensch zu Mensch – ohne Schubladen, ohne vorgefertigte Lösungen.
Mein Fazit für dich
Grounding lässt dich deine Wurzeln bewusst spüren.
Dieser erste Schritt ist wichtig, um präsent zu sein, Stabilität zu spüren. Darauf kannst du aufbauen – Im Kreislauf der vier Elemente. Gerne unterstütze ich dich dabei, behutsam den Kreislauf deines Lebens wieder in eine harmonische Ordnung zu bringen.

Disclaimer: Als psychosozialer Berater kann ich dich im Hier und Jetzt unterstützen und damit die Aufklärung, Entlastung und das Erlernen von Bewältigungsstrategien unterstützen. Für die eigentliche Aufarbeitung und Integration traumatischer Erfahrungen, empfehle ich dir gerne KollegInnen aus dem Bereich der Psychotherapie.

